Lohnt sich jetzt noch der Launch eines Web-Shops?

Macht die Konkurrenz durch Google, Apple, Facebook und Amazon den Erfolg eines eigenen Webshops unmöglich? Das GAFA-Monopol (Anfangsbuchstaben von Google, Apple, Facebook und Amazon) dominiert das Internet? Welche Auswirkung hat die Marktmacht der vier Großen auf meinen neuen Shop und wie kann ich sie nutzen, um trotzdem erfolgreich zu sein?

Worin besteht die Marktmacht der großen Vier?

  • Über Google laufen in Deutschland 2015 über 94% aller Suchanfragen (Quelle: comScore)
  • Amazon hat 2015 in Deutschland dreimal soviel Umsatz wie der zweitgrößte deutsche Online-Händler Otto (Quelle: GfK)
  • Facebook beherrscht die Sozialen Medien und hatte 2014 einen Anteil von 91% bei der Nachrichtenverbreitung in sozialen Netzwerken (Quelle: TU Darmstadt, TU Dresden)
  • Apple hat mit iPhone, AppleWatch und iTunes bzw. AppleMusic einen sehr großen Anteil des Unterhaltungsmarktes weltweit und der mobilen Zugangsgeräte zum Internet unter Kontrolle. Die Firma Apple hat Anfang 2016 ungefähr 216 Mrd. Dollar Geldreserven (Quelle: www.spiegel.de). Damit lässt sich einiges machen.

Was ist das Problem?

Alle vier Unternehmen bauen Ihre Produkte und Dienstleistungen auf immer mehr Handlungsfeldern aus und erschließen neue Geschäftsmodelle. Jüngstes Beispiel: Amazon Echo

Damit macht sich Amazon immer mehr unabhängig von allen anderen Zugangswegen zum Kunden. Mit Amazon Echo bekommt Amazon einen Platz  beim Kunden Zuhause und hört alles, was der Kunde spricht. Zum Bestellen braucht der Kunde weder einen Computer, noch ein Handy von einem anderen Hersteller, verwendet kein fremdes Betriebssystem und keinen Browser mehr, den Amazon nicht vollständig kontrollieren kann.

Zugang zum Kunden läuft über Google, Apple, Facebook und Amazon

Die anderen Firmen machen das genauso und auf immer mehr Feldern: Gesundheit wird immer mehr beherrscht durch GoogleHealth, Android Wear und AppleWatch. Mobilität läuft größtenteils über GoogleMaps, bald auch deren selbstfahrende Autos und Apple CarPlay, etc. Das bedeutet, dass fast der gesamte Zugang Ihres Unternehmens (als Shop-Betreiber) zu Ihren Kunden über das GAFA-Monopol läuft:

Als Anbieter von beliebigen Produkten und Dienstleistungen kommen Sie daher kaum an diesen vier Unternehmen vorbei.

Zusammenarbeit

Wir können uns durch die vier Unternehmen helfen lassen. Man muss sich nur klar machen, was deren Interessen sind und wie das für uns nutzbar sein kann. Fangen wir mit Google an:

Welche Möglichkeiten haben Sie als Shop-Betreiber mit Google

Triviale Tatsache: Er führt Ihnen die Kunden zu und für Sie geht es nur darum, dass es möglichst viele Kunden sind!

Das wird kein SEO- oder SEM-Workshop, aber ein paar einfache Grundregeln sind wichtig:

  • Schreiben Sie gute Texte zu jedem Produkt. Googles Algorithmen müssen der Meinung sein, dass Ihre Seite die besten Infos zu genau dem angezeigten Produkt bieten.
  • Nutzen Sie die Möglichkeiten von schema.org (teilweise auch unter der Bezeichnung Microdata and RDFa zu finden). Damit werden im HTML semantische Informationen zum angezeigten Produkt untergebracht. Google kann diese Informationen lesen und damit noch besser Ihre Produkte einordnen.
  • Nutzen Sie das Google Merchant-Center. Sie können täglich Ihre Produkte als Datenfeed zu Google schicken. Wenn Sie das richtig machen, dann erscheinen Ihre Produkte im Bereich Google-Shopping.

FAZIT: Das Verhältnis von Ihnen zu Google sollte wie zu einem Steuerberater sein: Geht es Ihnen gut, dann verdient auch er mehr Geld. Daher hat er ein Interesse Sie zu unterstützen.

Wie nutzt man Facebook und andere Social Networks?

Da hier Meinungen ausgetauscht werden, gibt es auch Meinungen zu Ihren Produkten oder Ihrem Shop. Und diese können sich teilweise sehr schnell und weit verbreiten. Die Bekleidungsmarke Zara hat bei Facebook über 25 Millionen Freunde. Bei Instagram hat die Kleidungsmarke Burberry über 5,8 Millionen Follower. Bei Facebook, Twitter und Instagram gibt es seit kurzem Kaufen-Buttons. Diese können bei Werbe-Einblendungen vom Werbenden hinzugebucht werden.

Außerdem können Sie Bewertungen und Likes bei jedem Ihrer Produkte einblenden. Es gibt immer mehr Kunden, die einem Produkt nur trauen, wenn es von anderen empfohlen wird. Nutzen Sie alle Chancen und seien Sie schnell, denn Veränderungen passieren durch die aktiven Nutzer der sozialen Medien sehr schnell.

Allerdings: Aktuelle Umfragen (z.B. Gallup, USA) sagen, dass sich nur ein sehr geringer Teil durch Soziale Medien zum Kauf beeinflusst sehen. man sollte drei Aspekte berücksichtigen: Authenzität (Authentic), schnelle Reaktionszeit (Responsive) und überzeugend sein (compelling). Das Fazit von Gallup lautet: Die Kaufentscheidungen von Kunden basieren auf ihren emotionalen Verbindungen zu einer Marke. Soziale Medien sind bestens für solche Verbindungen geeignet. Aber nur, wenn eine Marke ihren Fokus von einseitiger Kommunikation zu echter Unterhaltung verschiebt.

Amazon

Jetzt wird es unschön: Amazon hat keine Veranlassung einem Händler langfristig zu helfen und alles deutet daraufhin, dass sie es auch zukünftig nicht machen werden. Amazon ist ein Online-Händler, allerdings der größte der Welt. Daher haben sie sich schon sehr früh auch als Marktplatz-Betreiber positioniert. Beides gleichzeitig weckt durchaus den Verdacht, dass dort Interessen miteinander kollidiere, denn um ein guter Marktplatz-Betreiber im Sinne der Händlerkunden zu sein, sollte man neutral sein. Als gleichzeitiger Händler geht das aber nicht. Auch andere Gründe sprechen dagegen, dass Amazon das Wohl seiner Händlerkunden bedenkt:

  • Als Händler bei Amazon überträgt man ein umfassendes Nutzungsrecht an Produktinformationen. (Quelle: Oberlandesgericht Köln in einer Urteilsbedründung am 19.12.2014, Az.: 6 U 51/14)
  • Bis 2013 musste man bei gleichzeitigem Betrieb eines eigenen Shops dort die Preise teurer machen als bei Amazon (Preisparität). Das wurde vom Kartellamt verboten. Trotzdem bleibt es dabei, dass man im eigenen Shops die Preise nicht günstiger machen darf als bei Amazon.
  • Für Nutzerbewertungen, die Kunden bei Ihren Produkten auf der Website von Amazon machen, behält natürlich Amazon alle Rechte. Und Nutzerbewertung erhöhen die Glaubwürdigkeit und damit die Verkaufschancen eines Produktes enorm. Da Amazon viel mehr Zugriffe und damit Kunden auf seinen Seiten hat, als Sie mit Ihrem eigenen Shop, ziehen Sie auch bei den Bewertungen immer den kürzeren.
  • Wenn Sie Händler sind, dann besteht die echte Gefahr, dass Amazon (die Ihre Umsätze genau verfolgen) sich direkt an Ihre Hersteller wendet. Und dann sind Sie überflüssig bzw. werden in den Suchergebnissen immer unter den Produkten von Amazon gelistet.
  • Selbst, wenn Sie Hersteller sind, besteht die reale Gefahr, dass Amazon Eigenmarken gründet und Ihre Produkte selbst herstellt.

Prüfen Sie daher die Vor- und Nachteile genau, bevor Sie sich als Händler Amazon ausliefern. Die Position als Amazon-Händler gleicht dem Gefangenen-Dilemma.

Welche Bedeutung hat Apple für einen Shop-Betreiber?

Apple verkauft u. a. das iPhone und das iPad und hatte im Dezember 2015 in Deutschland mit allen mobilen Geräten einen Marktanteil von 20,2% und in den USA zum gleichen Zeitraum sogar 39% (Quelle: Kantar). Damit läuft ein wesentlicher Anteil des Weges Ihrer Kunden zu Ihnen über von Apple gesteuerte Geräte. Außerdem ist ungefähr die Hälfte der deutschen Wohnbevölkerung ab 14 Jahren inzwischen regelmäßig mobil im Netz, und weit über ein Drittel davon nutzt das mobile Netz gleich viel oder sogar mehr als das stationäre Internet (Quelle Bundesverband Digitale Wirtschaft e.V., 2015).

Sie müssen daher darauf achten, dass Ihr Web-Shop sehr gut mit dem Smartphone oder Tablet zu bedienen ist. Auch der Kaufabschluss muss unbedingt bis zum Ende auch auf einem kleinen Smartphone-Display funktionieren. Testen Sie mit verschiedenen iPhone-Modellen. Verlassen Sie sich nicht darauf, dass Ihr Shop mit einem Android-Handy funktioniert. Prüfen Sie, ob Sie z.B. Passbook für Gutscheine integrieren sollten, wenn Ihre mobilen Apple-Kunden das vermehrt nutzen möchten. Mit anderen Worten: Achten Sie auf Ihre Apple-Kunden, denn sie sind gute Usability gewohnt.

Fazit

Selbstverständlich lohnt sich ein eigener Webshop, wenn Sie denn bereit sind, Zeit und Geld zu investieren. Die Zeiten, in denen es das größte Problem war, überhaupt einen Shop in Betrieb zu setzen, sind vorbei! Heutzutage muss jedes einzelne Produkt sehr gut aufbereitet sein, Sie müssen ausführliche Recherchen über ihre Marktteilnehmer vorher durchgeführt haben und Sie müssen permanent an der Optimierung Ihres Auftritts arbeiten. Dazu brauchen Sie einen guten Partner.